Giftige Pflanzenschutzmittel beim Anbau von Baumwolle, Chloride beim Bleichen, Zwangs- und Kinderarbeit in der Herstellung. Die ethische und ökologische Bilanz der konventionellen Modeindustrie verleitet immer mehr Menschen dazu, über ihr Konsumverhalten in Punkto Kleidung nachzudenken. Knapp zehn Prozent der weltweit verwendeten Insektizide und mehr als ein Fünftel aller Pestizide werden bei der Baumwollproduktion versprüht. Auch der Süßwasserverbrauch ist gravierend. Berichte über Schadstoffe in der Kleidung, verseuchte Baumwollfelder, chemiedurchdrungene T-Shirts und Jeans und eine skrupellose Textilindustrie zwingen Verbraucher und in der Folge auch Hersteller zum Umdenken. Immer mehr Konsumenten wünschen sich sozial verträglich produzierte Kleidung aus umweltverträglichen Materialien.

Zunehmend beginnen auch große Konzerne, sich auf die Wünsche ihrer Kunden hinsichtlich sozialer und ökologischer Verträglichkeit einzustellen und bieten mittlerweile zumindest einen Teil der Waren an, die an strengere Umwelt- oder Sozialstandards gebunden sind.Gefragt sind verantwortungsbewusste aber modische Alternativen, umweltschonende Materialien und Fertigungsweisen in der Modeindustrie.

Wer bei ökologischer Moder jedoch an Jute, kratzige Wollpullover und sackige Kleider denkt, wird enttäuscht. Nachhaltige Mode und Stil sind heute kein Widerspruch. Junge Designer und Firmengründer verbinden Design und ökologisches Bewusstsein und schaffen Produkte, die sowohl ethischen und ökologischen als auch ästhetischen Anforderungen entsprechen – Jeans aus fair gehandelter Baumwolle, Blusen aus Bio-Seide, Abendkleider aus Recyclingmaterialien, selbst Schuluniformen aus Biobaumwolle sind im Angebot.

Bei den Materialien steht Baumwolle an oberster Stelle. Bedenklich macht sie der hohe Chemikalieneinsatz beim Anbau und in der Produktion, der mit dramatischen Folgen für die Umwelt und die Landarbeiter einhergeht, zudem der alles andere als freie Markt und der äußerst umstrittene Einsatz von gentechnisch veränderter Baumwollsaat. Empfehlenswert ist deshalb nur unter strengen ökologischen Standards angebaute Baumwolle. Insbesondere bei Intimwäsche wie Unterhosen und Shirts macht es Sinn, auf Produkte aus ökologischer Baumwolle zu setzen.

Als alternative Faser kommen Hanf (mit einem deutlich geringeren Energie- und Wasserverbrauch bei der Herstellung von Textilien) und Flachs oder Leinen (der organische Anbau dieser Faser erlebt gerade ein Comeback, bei entsprechender Anbaumethode kann auf Pflanzenschutzmittel und Chemiedüngung verzichtet werden) in Frage.

Seide verliert an Attraktivität, da die Seidenraupenkokons abgekocht werden müssen, um die Seide zu gewinnen. Zudem wird Rohseide häufig mit schwer löslichen, umweltschädlichen Salzen künstlich beschwert. Vereinzelt kommt Veganerseide auf den Markt, bei deren Produktion der Wurm nicht getötet wird.

Selbst Wolle wird häufig mit Chemiefasern versetzt, um die Verfilzung der Wolle zu verhindern. Um dem Schädlingsbefall während des Transports entgegenzuwirken wir sie mit Schutzmitteln behandelt.

Experimentiert wird auch mit Fasern wie Soysilk (Abfallprodukt bei Herstellung von Soja), Ingeo (basierend auf Korn), Soja-, Bambus- und Maisfasern und sogar Krabbenschalen.

Bei allen Textilien ist es ratsam auf einen kontrolliert biologischen Anbau zu achten, bei Chemiefasern wie Polyester auf recycelte Materialien.

Der gewissenhafte Kunde kann sich beim Kauf die folgenden Fragen stellen:

  • Aus welchen Materialien bestehen die Produkte?
  • Wie und wo werden die Rohstoffe angebaut und verarbeitet?
  • Unter welchen Arbeitsbedingungen wird produziert?
  • Wie steht es um die ökologischen Kriterien bei Endfertigung und Vertrieb?
  • Zeigen die Hersteller und Vertreiber zudem ökologisches Engagement?

Es ist nicht ganz einfach, bei der Menge an Waren und Möglichkeiten den Überblick zu behalten und die lange und unübersichtliche Liste an Siegeln und Zertifikaten macht die Sache nicht leichter.

Die wichtigsten Umweltgütesiegel und Zertifikate für Textilien seien hier erklärt:

Europäisches Umweltzeichen

Die „Eu-Blume“ wird vom Umweltbundesamt und dem Deutschen Institut für Gütesicherung und Kennzeichnun e.V. in Rücksprache mit der Eu-Kommission vergeben. Die Kriterien verlangen eine nachweislich geringe Umweltbelastung von der Entstehung bis hin zur Entsorgung des Kleidungsstücks und – nicht übermäßig strenge – Grenzwerte für bestimmte Farbstoffe und Flammschutzmittel. Anbau und Produktion müssen wassersparend erfolgen.

Öko-Tex Standard 100, Öko-Tex Standard 1000 und Öko-Tex Standard 1000plus

Vergeben durch zwölf Textilinstitute aus zwölf Ländern, werden die Kriterien bei Standard 100 an den Schadstoffen am Endprodukt festgemacht, bei Standard 1000 an der Umweltfreundlichkeit der Produktionsabläufe, vor allem im Bereich Energie- und Wasserverbrauch. Bei Standard 1000plus handelt es sich um eine Kombination aus beiden, die Textilien müssen also schadstoffarm und umweltfreundlich produziert worden sein.

Pure Wear

Pure Wear ist das Gütesiegel von Otto. Die Kriterien lauten schadstoffarme und umweltfreundliche Produktion.

Naturtextil

Das Siegel wird vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. vergeben und hält sich an sehr strenge Kriterien. Die Textilien müssen vollständig aus Naturstoffen bestehen, neben einer umweltschonenden Produktion müssen auch soziale Mindeststandards der Arbeiter eingehalten werden. Alle Fasern müssen aus zertifiziertem ökologischen Anbau stammen. Die Garne, das Futter und die Knöpfe müssen aus Naturfasern oder Recyclingmaterial bestehen. Und es gilt ein uneingeschränkter Verzicht auf Chloride und Formaldehyd bei der Weiterverarbeitung.

Naturland

Dieses Siegel wir durch den Verband für ökologischen Landbau e.V. vergeben. Die Kriterien unterliegen einer strengen Prüfung auf Umweltverträglichkeit, gesundheitliche Unbedenklichkeit und soziale Standards. Die gesamte Herstellungskette muss zurückverfolgt werden können.

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