Die Parfümeurskunst hat eine jahrhundertelange Tradition. Wie bei einer musikalischen Komposition werden bei der Kreation und Herstellung eines Parfüms normalerweise viele unterschiedliche synthetische und natürliche Stoffe zu verschiedenen Anteilen zusammengemischt. Der neue Trend in Sachen Düfte geht aber genau in die entgegengesetzte Richtung.

Statt einer Synthese aus verschiedenen Stoffen, bestehen sogenannte Molekülparfüme nämlich lediglich aus wenigen oder gar nur einem Duftmolekül. Der Clou: Sie sollen den natürlichen Körpergeruch eines Menschen unterstreichen und dabei für einen ganz individuellen und stark anziehenden Duft sorgen.

Wie bereits an anderer Stelle beschrieben, besitzen klassische Parfüme wie die hier erhältlichen Düfte der Reihe Code Femme von Giorgio Armani drei Bestandteile:

  1. Die Kopfnote: Sie nehmen wir unmittelbar mit der Nase wahr, wenn wir ein Parfüm riechen. Meist besteht sie aus leichten Zitrus- oder blumigen Noten.
  2. Die Herznote: Sie entfaltet sich erst nach ca. zehn Minuten und hält am längsten auf der Haut. Sie ist quasi der „Hauptteil“ des Parfüms.
  3. Die Basisnote: Sie fügt dem Duft eine individuelle Komponente hinzu, denn ihre Duftmoleküle reagieren mit dem individuellen Körpergeruch eines Menschen. Daher riecht jedes Parfüm an jedem Träger geringfügig anders. Für die Basisnote werden häufig Moschus- oder Holzaromen verwendet, also relativ schwere Duftstoffe.

Revolution oder Spielerei?

Im Jahr 2006 brachte der Berliner Parfümeur Geza Schön sein bekanntes „Molecule 01“ auf den Markt, das nur aus einem einzigen Aromastoff „Iso E Super“ besteht, also lediglich aus einer Basisnote. Beigemischt in Duftkompositionen, soll dieser Stoff Parfüme intensivieren, selbst aber lediglich einen schwachen, zedernholzartigen „Hautgeruch“ besitzen. Trägt man Molecule 01 auf die Haut auf, soll es den Eigengeruch verstärken und somit besonders anziehend wirken. Mittlerweile gibt es Schöns Parfüme auch mit verschiedenen Beimischungen-sie alle haben jedoch Iso E Super als Hauptbestandteil.

Auch Dänemarks einziger Parfümeur Zarko Ahlmann Pavlov widersetzt sich den Regeln der klassischen Parfümeurskunst. Auch bei seinen Kreationen finden sich keine Mischungen aus Alkoholen und verschiedenen ätherischen Ölen. Stattdessen beruhen seine reduzierten Düfte auf einer Wasserbasis, wodurch sie länger haften sollen. Auch hier gibt es keine flüchtige Kopfnote, sodass man das Parfüm erst nach einer gewissen Zeit in seiner ganzen Bandbreite wahrnimmt.

Obwohl der Trend derzeit richtig Molekülparfüme geht, handelt es sich bei diesen nach wie vor um Nischenprodukte. Aus der Mode kommen werden die klassischen Duftkompositionen deshalb also sicher nicht.

Bildrechte: Flickr Parfum -9207.jpg Alain PAPIN CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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