Im Jahr 1933 reiste der damals junge Max Frisch als Journalist für die Neue Zürcher Zeitung zur Eishockey-Weltmeisterschaft nach Prag – aus ursprünglich geplanter Rückkehr nach zwei Wochen wurde eine achteimonatige Reise durch Budapest, Belgrad, Sarajevo, Dubrovnik, Zagreb, Istanbul bis Athen und zurück über Korinth und Delphi. Aus diesen Eindrücken entstand sein Debütroman Jürg Reinhart, eine subtile Selbstsuche vor mediterranem Panorama.. Frischs Reise war keine Flucht, sondern eine zarte Konfrontation mit seiner Suche nach Reife und Identität, eingebettet in eine fremde Welt voller Licht, Stein und Wasser.
Architektur statt Feder: Das Freibad Letzigraben
Während er in der Öffentlichkeit vor allem als Schriftsteller bekannt wurde, begann Max Frisch parallel eine architektonische Laufbahn: 1943 gewann er als junger ETH-Absolvent einen Wettbewerb der Stadt Zürich für den Neubau des Freibads Letzigraben. Trotz Kriegsverzögerungen wurde das Bad 1947 bis 1949 im sogenannten Landistil realisiert – gemeinsam mit Gartenarchitekt Gustav Ammann. Die Anlage besticht bis heute durch ihren harmonischen, naturnahen Gartencharakter mit altem Baumbestand sowie durch ihre klare, lichtdurchflutete Bauform und gilt als bekanntes Schweizer Denkmal der Moderne.
In der NZZ wurde Frischs Entwurf gepriesen: „An diesem Projekt atmet alles Harmonie und Ruhe … Sonne und Licht finden überall ungehinderten Zutritt, und jedes Ding steht an seinem richtigen Platz“. Der Fokus des Designs war nicht primär der Bau selbst, sondern das Erlebnis und die Begegnung der Menschen mit Raum, Wasser und Natur – zentral für eine Wellness-Architektur.
Wohlfühl-Architektur à la Max Frisch
Was macht das „Max‑Frisch‑Bad“ so besonders – und relevant für einen Wellnessblog? Frisch verband architektonische Klarheit mit Empathie für das Bedürfnis nach Erholung. Die benachbarten Grünzonen, Pavillons und Becken laden dazu ein, den Alltag hinter sich zu lassen, barfuss zu gehen, zu ruhen oder zu beobachten – wie in einem meditativen Text, nur in Bauen manifestiert. Kein pompöses Hallenbad, sondern ein Garten für Körper und Geist, ohne überladene Ausstattung, stattdessen mit Raum zum Atmen.
Wellness-Fazit aus literarischer Perspektive
So wie Frisch in Jürg Reinhart eine Reise als inneres Spiegel-Experiment nutzte, so erzählt seine Architektur vom Suchen und Finden – hier im urbanen Raum Zürichs. Für Schweizerinnen und Schweizer, die Wellness nicht nur als Massage oder Sauna verstehen, sondern als Ganzkörper-Empfindung von Architektur und Landschaft, ist das Freibad Letzigraben ein lebendiges Beispiel: Ein Ort, an dem man Umwelt und Selbstkontakt gleichermaßen erleben kann.


