Die digitale Revolution bietet neben einigen Nachteilen auch ein grosser Vorteil: Der Kunde kann sich über Produkte informieren. Und nicht nur das, der Kunde wird gar selbst zum Anbieter. Was früher der gemeinsame Besitztum war ist heute der kollaborative Konsum.

Grosse Firmen wie Hapimag mitschuldig am schlechten Image von Timesharing

Aber sind wir ehrlich, ein richtig gutes Image hatte Timesharing nie. Daran sind grosse Markteilnehmer wie bsp. Hapimag nicht ganz unschuldig: Wenn unzufriedene Kunden in Hotlines anonymer Servicecenter kaltgestelt und Beschwerden kategorisch mit juristischen Werkzeug abgeschmettert werden, ist nichts anderes zu erwarten. Ja man hielt es sogar nicht mal für nötig, die Preise der eigenen Produkte zu kommunizieren. Intransparenz bei der Buchungsvergabe und das Fesseln an Verträge komplettieren das Gesamtbild. Aus der der Hapimag-Falle gibt es kein entkommen. Seine Wohnrechtsanteile wird man nicht mehr los. Legal geht dies nur über eine Warteliste, die, so munkelt man, über 10 Jahre lang sein soll[1]. Und bei einem derartig gravierenden Fehlverhalten muss man sich wirklich nicht fragen, warum Timesharing-Produkte bei neuen und v.a. jüngeren Publikum auf geringes Interesse stossen. Schon fast kafkaesk mutet es an, wenn anschliessend als Verursacher für’s schlechte Image der Branche die „unseriöse Anbieter“ mit „klaren betrügerischen Absichten“ verwantwortlich gemacht werden — die zweifelsohne im Markt agieren. Dabei richtet sich doch gerade im Falle von Betrug der Ärger auf die schuldigen Personen und nicht auf eine ganze „Branche“. Nichtsdestotrotz, es leuchtet ein Licht der Hoffnung am Horizont; schöne Ferien müssen nicht im finanziellen Ruin enden. Der neue Ansatz nennt sich Share Economy.

Nutzen statt besitzen

Eigentum verpflichtet nicht nur, Eigentum jeglicher Art ist für die breite Masse leider unerschwinglich geworden. Dazu kommt eine zunehmende und allesdurchdringende Verbreitung des #Neulands Internets und diese hilft insbesondere beim Organisieren: Intelligente Algorithmen ermöglichen die intelligente Nutzung aller möglichen Objekte. Was Ökonomen jahrelang in zentralistisch organisierten Verwaltungsgebilden vergeblich versuchten, erledigen ab sofort ein paar Zeilen Code um ein Vielfaches erfolgreicher. Aus dieser Perspektive betrachtet ist der Trend in Richtung Share Economy logisch nachvollziehbar. Der Siegeszug der der Informationsrevolution fährt ungebremst in Richtung Vernetzung: Alles wird flexibel, digital und vermehrt gar dezentral. Und, wer diese konsequent logische und gleichzeitig massiv disruptive Technologien stoppen will, erreicht meist das Gegenteil wie ursprünglich beabsichtigt. Dies illustriert der Widerstand gegen Uber eindrücklich: Die Proteste in Paris waren heftig und die Sammelklagen in San Francisco ausgeklügelt. Zwei unterschiedliche Schauplätze und doch sieht es danach aus, als profitiere lediglich Uber und dies erst noch weltweit von der damit verbunden, zusätzlich generierten Aufmerksamkeit; der Streisand-Effekt lässt grüssen.

Gemeinsamer Besitztum wird es weiterhin geben, aber er wird wohl vermehrt im kleineren Ramen praktiziert werden. Und auch hier „hilft“ die Technologisierung: Ferngesteuerte Sensoren in der Haustechnik und intelligente Verwaltungssoftware reduzieren den Verwaltungsaufwand immens und machen so gemeinsamen Besitztum auch für Kollektive mit kleiner Mitgliederanzahl möglich. Mittelfristig wird es wohl wieder grosse Player im Markt geben. Den bestehenden umsatzstarken Firmen mit herkömmlichen Timesharing-Produkten im Angebot traue ich nichts mehr zu; diese steuern in kalten Gewässern unweigerlich auf den Eisberg zu. Nicht Nebel sondern vernebelte Geister verhindern die rettende Kurskorrektur. Den Fortschritt zu bekämpfen gleicht einem Kampf gegen die Hydra. Intelligenter als Ablehung ist, sich mit den Funktionalitäten neuer Technologien zu befassen. Und sei es nur, um „den Feind“ zu kennen. Nur die Heuristik zeigt zuverlässig auf, was funktioniert und was nicht. Die Spiele haben begonnen. Digitales Geld wird programmierbar und wohl bald mit Smart Contracts und einer Art Blockchain kombiniert werden. Aber das ist alles (noch) Fantasie. Es bleibt der Korrektheit halber zu erwähnen, dass einige Kritikpunkte am Share Economy Gedanke berechtigt sind. Insbesondere fehlen für derartige Dienste gesetzliche Vorgaben und Modelle für Versteuerung. In Anbetracht der grossen Innovationskraft der aufstrebenden Branche sind aber auch in diesem Breich wohl in naher Zukunft kreative Lösungsansätze zu erwarten.

Alternativen

Welches sind die vielversprechenden Startups der Share Economy? Was funktioniert? Nachfolgend eine Auswahl an Diensten der Share Economy:

  • AirBnB | Der bekannteste Vertreter der Share Economy: Auf AirBnB bieten Private bieten ihr Zimmer oder Wohnung zur Unterkunft an.
  • Uber | Uber ist wohl der bestkapitalisierte Vertreter der Share Economy.
  • Sharoo | Sahroo ist das u.a. von Migros mitfinanzierte Startup ermöglicht die Nutzung von „kalten“ Privatfahrzeugen oder Firmenautos: User stellen User ihre Autos zur Verfügung. Sharoo ist die Schweizer Antwort auf ZipCar.
  • Share Desk | Dank ShareDesk lassen sich nicht nur Räume und Tische finden, sondern damit kann jeder Teilnehmer freien Office Space zuer Verfügung stellen.
  • Garden Sharing | In diesem Gebiet gibt es zahlreiche Anbieter und speziallisierte Communitites. Also Stadtmensch verlinke ich hier die spektakulär, innovative Communitiy der Fenstergärtner.
  • Skill Sharing | Die (eigene) professionelle Arbeit als Dienstleistung im Web anbieten, Skillshare.com macht’s möglich.

Hier eine weitere, viel umfassendere Liste an spannenden Vertretern der Share Economy.

Foto: CCO Public Domain / Windowfarm
[1] http://www.beobachter.ch/konsum/artikel/hapimag_fort-mit-schaden/

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